«Es geht nicht um das Parteilogo»

Michael Sarbach will im zweiten Wahlgang zum Wiler Stadtrat auch Menschen überzeugen, die normalerweise nicht grün wählen. Der langjährige Wiler Politiker sieht sich als Brückenbauer, der zuhört, unterschiedliche Interessen zusammenführt und pragmatische Lösungen sucht. Im Gespräch mit Wil24 erklärt er, weshalb er bereit für die Exekutive ist, wie er Wil finanziell verantwortungsvoll weiterentwickeln will und warum für ihn die Persönlichkeit wichtiger ist als die Parteizugehörigkeit.

Michael Sarbach blickt mit Freude auf den ersten Wahlgang zurück. Das Ergebnis wertet er als grossen Vertrauensbeweis der Wiler Bevölkerung. Gleichzeitig sei die Wahl noch nicht entschieden. Im zweiten Wahlgang gehe es nun um die Frage, welche Persönlichkeit die Stadt gemeinsam mit den bisherigen Mitgliedern des Stadtrats am besten weiterentwickeln könne. «Ich bin überzeugt, dass ich mit meiner Erfahrung, meiner Vernetzung und meiner Art, Menschen zusammenzubringen und Lösungen zu erarbeiten, einen wertvollen Beitrag für Wil leisten kann.»

Volle Konzentration auf den Stadtrat

Im ersten Wahlgang kandidierte Sarbach sowohl für den Stadtrat als auch für das Stadtpräsidium. Nun konzentriert er sich vollständig auf den freien Sitz in der Stadtregierung. Bei der Wahl ums Präsidium habe die Bevölkerung eine klare Tendenz gezeigt. «Das respektiere ich.» Gleichzeitig hätten ihm sehr viele Menschen ihr Vertrauen für den Stadtrat ausgesprochen. Deshalb gehe er mit voller Überzeugung in den zweiten Wahlgang. «Mir geht es nicht um Titel oder persönliche Ambitionen, sondern darum, Verantwortung zu übernehmen und mich dort einzubringen, wo ich für Wil den grössten Beitrag leisten kann.»

Zuhören und zusammenführen

Im zweiten Wahlgang kommt es zum Direktduell mit SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Sarbach möchte sich dabei nicht in erster Linie über seinen Gegenkandidaten definieren, sondern mit seinem eigenen Politikstil überzeugen. «Ich möchte ein Stadtrat sein, der zuhört, unterschiedliche Interessen zusammenführt, offen kommuniziert und Verantwortung übernimmt.» Gerade in finanziell anspruchsvollen Zeiten brauche Wil sorgfältige Entscheidungen, Verlässlichkeit und Transparenz. Sarbach sieht seine Stärke darin, unterschiedliche Interessen an einen Tisch zu bringen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Dafür engagiere er sich seit vielen Jahren – in der Politik, im Beruf, im Gewerbe sowie in Vereinen und Projekten.

Vertrauen über Parteigrenzen hinweg

Zusätzliches Potenzial sieht Sarbach bei jenen Wählerinnen und Wählern, die im ersten Wahlgang Thomas Abbt unterstützt haben. Viele von ihnen wünschten sich eine ausgewogene Stadtregierung, einen respektvollen Umgang und eine verlässliche Politik. «Dafür stehe ich.» Dass Sarbach neben dem links-grünen Lager auch von der GLP, der EVP, Gastro Wil sowie von Persönlichkeiten aus Mitte und FDP unterstützt wird, freut ihn besonders. «Es zeigt, dass mein Politikstil über Parteigrenzen hinweg Vertrauen schafft.»

Politik versteht Sarbach nicht als Selbstzweck. Für ihn sei nicht entscheidend, wer eine Idee einbringe, sondern ob sie Wil weiterbringe. Vertrauen entstehe durch jahrelange konstruktive Zusammenarbeit, Offenheit und Verlässlichkeit. So sei es ihm wiederholt gelungen, für seine Anträge und Vorstösse Mehrheiten über die Parteigrenzen hinweg zu finden.

Persönlichkeit statt Parteizugehörigkeit

Dem Argument, im Stadtrat brauche es wieder eine klar bürgerliche Stimme, widerspricht Sarbach. Die bürgerlichen Parteien verfügten bereits heute über eine Mehrheit im Stadtrat. Daran würde sich auch bei seiner Wahl nichts ändern. «Im Stadtrat geht es nicht in erster Linie um die Parteizugehörigkeit, sondern um die Persönlichkeit und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen.» Eine Kollegialbehörde lebe davon, unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven einzubringen und anschliessend gemeinsam gute Entscheidungen zu treffen. Die grossen Herausforderungen der Stadt liessen sich nicht mit Ideologien bewältigen, sondern mit Augenmass, Pragmatismus und konstruktiver Zusammenarbeit.

Bereit für die Exekutive

Seit mehr als zwanzig Jahren engagiert sich Sarbach für Wil. Als Stadtparlamentarier, Kantonsrat, Fraktionspräsident und Mitglied verschiedener Kommissionen habe er die Stadt aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennengelernt. Dabei habe er erfahren, wie Politik und Verwaltung zusammenspielen. Zwar gehörte Sarbach bisher noch keiner Exekutive an, Führungs- und Budgetverantwortung übernimmt er jedoch seit vielen Jahren in seinem Berufsalltag. Als Betriebsleiter des Gare de Lion führt er Mitarbeitende, verantwortet Finanzen, setzt Projekte um und muss regelmässig Entscheidungen treffen.

«Ich bin es gewohnt, mit begrenzten finanziellen Mitteln möglichst viel zu erreichen.» Dazu gehöre es, Prioritäten zu setzen und auch unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen pragmatische Lösungen zu finden. Diese Führungs- und Managementerfahrung ergänze seine politische Erfahrung. «Ich fühle mich bereit für diesen nächsten Schritt.»

Klare Prioritäten bei den Finanzen

Wil steht in den kommenden Jahren vor grossen Investitionen und finanziellen Herausforderungen. Sarbach fordert deshalb klare Prioritäten. Insbesondere bei Bauvorhaben müsse die Stadt konsequent auf funktionale und wirtschaftliche Lösungen setzen und auf unnötige Luxusausführungen verzichten. Neue Aufgaben müssten priorisiert und bestehende Angebote regelmässig auf ihre Notwendigkeit und Wirksamkeit überprüft werden. Das zeitlich begrenzte Stellenmoratorium unterstützt er.

Gleichzeitig warnt Sarbach davor, Wil kaputtzusparen. Gute Schulen, ein starkes Gewerbe, eine attraktive Innenstadt, aktive Vereine und eine vorausschauende Infrastruktur seien Investitionen in die Zukunft. Sie stärkten die Lebensqualität und schafften langfristig wirtschaftliche Wertschöpfung. Vorrang hätten für ihn der dringend benötigte Schulraum sowie die Projekte des Agglomerationsprogramms, bei denen wichtige Beiträge von Bund und Kanton auf dem Spiel stünden.

«Schauen Sie auf die Persönlichkeit»

Im zweiten Wahlgang will Sarbach bewusst auch jene Menschen ansprechen, die normalerweise nicht grün wählen. Ihnen empfiehlt er, nicht allein auf die Parteizugehörigkeit zu achten. «Schauen Sie nicht auf das Parteilogo, sondern darauf, wem Sie zutrauen, Wil in den kommenden Jahren verantwortungsvoll mitzugestalten.»

Er stehe für Verlässlichkeit, offene Kommunikation, Zusammenarbeit und sachliche Lösungen. Als Kantonsrat bringe er zudem ein Netzwerk mit, von dem die Stadt profitieren könne. Seine Entscheidungen treffe er nach bestem Wissen und Gewissen und danach, was er langfristig für Wil als richtig erachte. «So habe ich in den vergangenen über zwanzig Jahren Politik gemacht – und genau mit dieser Haltung möchte ich auch im Stadtrat für alle Wilerinnen und Wiler Verantwortung übernehmen.»

Quelle: David Hugi, Wil24.ch, 24.7.2026

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