Wahlen Stadt Wil 2026: «Sachpolitik steht klar im Zentrum»

Nach der Ankündigung von Hans Mäders Rücktritt aus dem Stadtpräsidium wird diesen Sommer möglicherweise eine Position im Stadtrat frei. Michael Sarbach, Kantonsrat und Fraktionspräsident der Grünen Prowil, erzählt, weshalb er interessiert ist.

Michael Sarbach, werden Sie tatsächlich für den Stadtrat kandidieren?

Ein parteiinternes Verfahren wird klären, welche Person die Grünen Prowil nominieren. Ich persönlich wäre sehr motiviert, im Stadtrat mitwirken zu dürfen. 

Weshalb könnten Sie sich für eine Kandidatur entscheiden? 

Seit Jahrzehnten engagiere ich mich für Wil. Irgendwann stellt sich die Frage: Möchte man nur mitgestalten oder auch umsetzen? Operative Verantwortung reizt mich, gerade nach über 20 Jahren im Stadtparlament. 

Was zeichnet Sie für das Amt als Stadtrat aus?

Die politischen Abläufe sind mir vertraut. Zudem bringe ich Erfahrung aus Bildung, Betriebsleitung und Projektarbeit mit. Ich denke strategisch, arbeite pragmatisch und lösungsorientiert und bin es gewohnt, unterschiedliche Interessen an einen Tisch zu bringen. 

Sie sind seit vielen Jahren im Parlament aktiv. Was erhoffen Sie sich von einem allfälligen Amt als Stadtrat?

Mehr Gestaltungsspielraum. Im Parlament setzt man Impulse – im Stadtrat kann man Projekte konkret vorantreiben und umsetzen. 

Wo würde die Stadt Wil von Ihnen als Stadtrat profitieren?

Wir stehen vor wichtigen Herausforderungen: unter anderem bezüglich Finanzhaushalt, Stadtentwicklung, Klimawandel, Energieversorgung oder der Belebung des Stadtzentrums. Ich bringe ein breites Netzwerk mit, höre zu und übernehme Verantwortung. 

Sie sind unter anderem Musiklehrer am Kathi, Stadtparlamentarier, Kantonsrat, Mitglied der Betriebsleitung und Ressortleiter Programm und Marketing im Kulturzentrum Gare de Lion.Woher kommt Ihre Motivation für ein solch grosses Engagement?

Die Zukunft unseres Städtlis ist für mich eine Herzensangelegenheit. Es gibt enormes Potenzial – wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich. Ich möchte dazu beitragen, dass Wil sich gesund entwickeln kann und lebenswert bleibt. 

Und woher nehmen Sie die Energie?

Aus Überzeugung und aus der Zusammenarbeit mit engagierten Menschen. Politik, Kulturarbeit oder die Arbeit am Kathi geben auch viel zurück. Und ich weiss, dass ich auf
meine Familie zählen kann. 

Apropos Kathi: Wie soll es mit der Mädchenschule weitergehen?

Das Kathi ist eine wichtige Bildungsinstitution mit Tradition und Qualität. Sie ist ein Standortvorteil. Entscheidend ist, dass Stiftung und Stadt eine für alle zufriedenstellende Lösung finden und die Politik diese mitträgt. 

Würden Sie für das Mandat als Stadtrat auf die Lehrerstelle verzichten?

Sollte ich kandidieren und gewählt werden, müsste ich meine berufliche Situation anpassen. Nur schon aus Anspruch an mich selbst, im Stadtrat beste Arbeit zu leisten. In welcher Form, das wird sich zeigen. 

Wie schätzen Sie Ihre Chance in Bezug auf Ihre Parteizugehörigkeit und die aktuelle Zusammensetzung des Stadtrats ein? 

Entscheidend ist das Vertrauen der Bevölkerung. Die Partei spielt eine Rolle – aber Persönlichkeit, Kompetenz und Glaubwürdigkeit sind ebenfalls wichtig. Für mich steht Sachpolitik klar im Zentrum. 

Wäre es nicht an der Zeit für einen Grünen Stadtpräsidenten?

Wichtig ist eine Politik, die verantwortungsvoll, transparent und zukunftsgerichtet im Dienste von uns Bürgerinnen und Bürgern ist. Der Entscheid liegt immer beim Volk. 

An der Fastnacht haben Sie als Herold die Bulle vorgelesen. Welchen Reim wird es in der nächsten Bulle zu lesen geben?

Wenn es gut läuft, reimt es sich auf «gewählt» – wenn nicht, dann wenigstens auf «gezählt» oder «gequält». 

Und werden Sie als Wiler Botschafter noch weitere Anlässe organisieren?

Ich habe mit dem Verein Wil Tourismus ein Podium zum Thema «Generationengraben» im Gare de Lion organisiert. Auch durfte ich am Weihnachtsmarkt als Engel Wünsche von Kindern aufnehmen. Ob es weitere Aktivitäten gibt, ist offen.

Quelle: Wiler Nachrichten, 26.2.2025

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